Die Pharmafirma Photonamic zieht aus Wedel in die alte Eggerstedt-Kaserne um. Das Unternehmen hat aktuell 15 Mitarbeiter.

Photonamic-Chef Ulrich Kosciessa, seines Zeichens promovierter Molekularbiologe, und der japanische Management-Anwärter Dai Kawashima aus Tokio, der derzeit bei ihm arbeitet.

 

Pinneberg. 08.11.2018

 Ein einziges Molekül kann manchmal Menschenleben retten. Die synthetisch hergestellte 5-Aminolävulinsäure ist ein solches Molekül: In der Natur kommt es so nicht vor. Aber weil norddeutsche Wissenschaftler es entwickelt haben und ein Investor knapp 50 Millionen Euro in das Projekt gesteckt hat, konnten mithilfe der künstlichen Aminosäure weltweit bislang 60.000 Patienten erfolgreich behandelt werden. Menschen, die andernfalls mit ihrem Gehirntumor keinerlei gute Prognose gehabt hätten. Die Firma Photonamic, die das Molekül entwickelt hat und vermarktet, ist am 1. August in ein Gebäude der ehemaligen Pinneberger Eggerstedt-Kaserne eingezogen. Am Freitag feiert das Unternehmen mit gut 80 Gästen und Geschäftspartnern aus Japan, Kanada, Australien, den USA und Europa die Einweihung seiner Pinneberger Zentrale.

 

Auch sonst gibt es Neues aus der Parkstadt Eggerstedt: Nachdem am Dienstagabend im Pinneberger Stadtentwicklungsausschuss der Entwurfs- und Auslegungsbeschluss zum überarbeiteten B-Plan 115 gefasst wurde, sieht es jetzt wieder besser aus für das Areal. Alle 18 Grundstücke sind laut Wirtschaftsförderer Stefan Krappa bereits verkauft, angefragt oder verplant. Die Immobilien-Firma Premero etwa wolle dort weiterhin ein Grundstück kaufen, auf dem das Unternehmen CEP dann ein Hotel bauen wolle. Der ehemalige Hotel-Vier-Jahreszeiten-Direktor Gert Prantner wolle es dann als Vier-Sterne-Hotel betreiben.

Aber zurück zur Krebsforschung: Geschäftsführer von Photonamic ist Ulrich Kosciessa (52), der seit 1997 mit seiner Familie in Pinneberg lebt und bis jetzt immer nach Wedel zur Arbeit gefahren ist. Photonamic ist nämlich eine Ausgründung der Wedeler Pharmafirma Medac. Seit 2007 ist Kosciessa Geschäftsführer, seine Managementqualitäten hat er aber erst spät entdeckt: Eigentlich ist er promovierter Molekularbiologe. Ein Wissenschaftler mit Geschäftssinn also.

Bislang hat sein hochspezialisiertes Unternehmen 15 Mitarbeiter: Naturwissenschaftler und Pharmazeuten, die mit Physikern, auf minimalinvasive Verfahren spezialisierten Operationsplanern und Neuroonkologen zusammenarbeiten. Bis 2020 will Kosciessa mit der Firma auf bis zu 25 Mitarbeiter anwachsen, die Räume hat er jetzt schon mitgemietet. Dann wird er vornehmlich Wissenschaftler mit Erfahrung in der klinischen Forschung suchen, die Produkte gegen Harnblasen- und Brustkrebs und weitere Hautkrankheiten entwickeln und die Expertise von Photonamic auf dem Feld der Hirnchirurgie ausweiten.

Ein Labor sucht man in den kreativ umgestalteten früheren Kasernenräumen vergeblich, denn Photonamic arbeitet ausschließlich mit spezialisierten (Universitäts-)Kliniken zusammen. Faszinierend ist, was sich die Wissenschaftler ausgedacht haben. Die anfangs beschriebene synthetische Aminosäure macht es einem Neurochirurgen möglich, einen Gehirntumor so präzise herauszuoperieren, wie das bisher nicht ging. Vorausgesetzt, die Patienten trinken vor der Operation eine mit der Aminosäure angereicherte Flüssigkeit, mit deren Hilfe sich das gesamte Tumorgewebe pink einfärbt und der Chirurg dies nun unter Blaulicht so genau wie nie zuvor sehen und entfernen kann. In Kooperation mit diversen Kliniken wird darüber hinaus an einer neuen Operationsmethode gearbeitet, bei der krankes Tumorgewebe mittels Lichtnadeln zerstört wird, die durch winzige Löcher in den Schädel gebohrt werden.

Das zweite Produkt von Photonamic kann Krebskranke heilen: Es ist ein Pflaster, mithilfe dessen ein leichter weißer Hautkrebs punktuell eliminiert werden kann. Das Pflaster ist mittlerweile für den deutschen Markt zugelassen. „Wir freuen uns, dass wir so etwas Tolles entwickelt haben“, sagt Ulrich Kosciessa. „Jetzt müssen wir aber auch ein bisschen die Trommel rühren, denn bisher haben wir überwiegend im Verborgenen gearbeitet.“

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